Zum Bildungsstreik

Erfreulicherweise fand im Wintersemester zum wiederholten Mal ein Bildungsstreik statt. Angetrieben durch die Unzufriedenheit mit den schlechten Lern- und Studienbedingungen protestierten zahlreiche Studierende. Es ist richtig und wichtig, immer wieder die konkreten Ägernisse an der Uni Bonn zu kritisieren. Ferner gilt es, diesen vorgegebenen Horizont zu überschreiten, um tätsächlich freie Bildung denkbar zu machen. Die LUST beteiligte sich aus diesen Gründen an den Protesten. Nach wie vor notwendig sind die Abschaffung der Studiengebühren, der Anwesenheitspflicht und eine Revision der rigiden Lehrpläne in den Bachelor- und Masterstudiengängen. Darüber hinaus fordern wir angemessene Übergangsfristen und ein umfangreiches Lehrangebot für Diplom- und Magisterstudierende.
Dennoch halten wir daran fest, dass der Protest nicht bei der Forderung nach Abschaffung rein äußerlicher Unzulänglichkeiten stehen bleiben darf. Wie wir auch in einem kürzlich verteilten Flugblatt betonen, ist es notwendig, die Situation tiefgehend zu analysieren und eine belastbare Kritik am Bildungssystem zu formulieren. Diese darf sich nicht auf die Hochschule beschränken, sondern muss die repressive Verfasstheit der gesamten Gesellschaft in den Blick nehmen. Unerlässlich ist dafür ein kritischer  Bildungsbegriff, der über die reine Zurichtung der Studierenden zum Arbeitskraftbehälter hinausgeht. Er muss beinhalten, dass sich der Einzelne ohne Angst kritisch mit seiner Lebenssituation auseinandersetzen kann. Freiheit meint für uns  nicht nur die Abwesenheit von äußeren Zwängen, sondern zugleich die Überwindung verinnerlichter Verwertungslogik.
Wir sehen es als drängende Aufgabe eines linken AStAs an, verlässliche Rahmenbedingungen für eine intensive ideologiekritische Auseinandersetzung mit dem gegenwärtigen Bildungssystem zu schaffen.