Die langwierigen Verhandlungen zur Bildung einer tragfähigen Koalition im Studierendenparlament, auf der eine verlässliche und produktive AStA-Politik folgen sollte, sind gescheitert, und das ist auch nicht sonderlich überraschend. Die Re(h)-Partei sieht sich auf Grund von „Mauscheleien“ nicht in der Lage, ihre eigenen Prinzipien mit denen des neuen AStA in Übereinstimmung zu bringen und hat deswegen ihre Unterstützung aufgekündigt. Nun ist es nicht sonderlich kollegial von der Re(h)-Partei, nachdem man diese Entwicklung sehr lange kommentarlos mitgetragen hatte und in der letzten Verhandlungsrunde auch keine Kritik an den endgültigen Beschlüssen übte, nun mit einer Pressemitteilung an die Öffentlichkeit zu treten und ganz plötzlich unüberbrückbare Widersprüche aufzudecken. Aber leider hat die Re(h)-Partei hier einen wahren und wunden Punkt getroffen, den sie exemplarisch mit dem Satz ausdrückt: „Der eine will nicht – Campus Grün – der andere darf nicht – LUST – und so soll eine ‚Koalition’ zustande kommen, die nicht in der Lage ist, sich gemeinsam auf einen Koalitionsvertrag einzulassen und somit klare politische Ziele zu verfolgen, die den Studenten wirklich nützen.“ Hier liegt tatsächlich das grundlegende Problem, und dieses Problem ist die kategorische Verweigerungs- und Hinhaltetaktik von Campus:Grün.
Campus:Grün hatte schon sehr früh deutlich gemacht, dass man sich nicht personell am AStA und somit an einer Koalition beteiligen würde, hat sich aber gleichzeitig als graue Eminenz eines zu bildenden AStA verstanden. Das bedeutet, man wollte bei Campus:Grün keine Verantwortung übernehmen, dafür aber diejenigen, die ihre Zeit und Energie für den AStA aufopfern, permanent kontrollieren: indem man andauernd mit dem Abbruch der Verhandlungen drohte, bzw. diese Drohung auch wahr machte, um sich beleidigt für einige Wochen von der politischen Bildfläche zurückzuziehen, oder indem man verkündete, man würde sich mit dem RCDS einigen. Als Julian Dopstadt von Campus:Grün im letzten Wahlkampf einen neuen politische Kultur für die studentische Politik einforderte, kann er damit nur eins gemeint haben: die politische Kultur der Erpressung und der faktischen Verhinderung von konstruktiver Politik!
Die von der Re(h)-Partei bemängelten „Mauscheleien“ wurden überhaupt nur nötig durch diese „politische Kultur“ von Campus:Grün: durch die Weigerung, sich einerseits selbst aktiv am AStA zu beteiligen, und andererseits es auch noch denen zu verwehren, die sich einbringen wollen, namentlich allen Mitgliedern der LUST, die zu wählen Campus:Grün sich weigerte.
Der studentischen Politik steht nun wieder eine lange, unsichere und quälende Phase der komplizierten Entscheidungsfindung ins Haus, die tatsächlich nur noch mehr Mauscheleien und mangelnde Transparenz hervorbringen wird. Die Verantwortung hierfür trägt Campus:Grün, welche sich unter der Führung von Julian Dopstadt nicht bemüßigt oder befähigt fühlte, die Verantwortung, die ihnen von ihren Wählern übertragen wurde, in eine konstruktive Teilhabe an einem jederzeit möglichen AStA umzuwandeln. Die Verweigerungs- und Erpressungsstrategie von Campus:Grün hat nicht nur einen neuen AStA verhindert, sondern wird auch auf die nächste Legislaturperiode und die nächsten Koalitionsverhandlungen Auswirkungen haben, die noch unabsehbar sind. Es bleibt zu hoffen, dass die Studentinnen und Studenten die richtigen Konsequenzen aus der Misere ziehen werden.