Die Philosophische Fakultät - Stiefkind der Uni?

Stellenstreichungen im Lehrkörper, ein starker Rückgang der Studierendenzahlen und die Absicht des Rekorats, aus der Uni Bonn eine Forschungsuniversität zu machen, setzen der Philosophischen Fakultät stark zu. Während die GebührenfreundInnen vom RCDS über die Ratlosigkeit der „Buchwissenschaften“ halluzinieren, wo sie ihre Gebührengelder am Besten verschleudern können, steht die Fakultät vor einer existenziellen Krise.

So brachte der noch von der alten rot-grünen Landesregierung verabschiedete und bis 2009 gültige „Qualitätspakt“ bereits einen merklichen Rückgang der Mittel, mit denen sich 36 vollwertige Professuren (mit MitarbeiterInnenstab und Sachmitteln) finanzieren ließen. Momentan gibt es ca. 110 solcher Stellen in der Fakultät. Dies ist nur das vorläufige Ende einer Reihe von massiven Kürzungen zu Ungunsten der Philosophischen Fakultät. Diese musste in den vorigen Jahren schon einen Rückgang um weitere 50 Stellen hinnehmen.
Konkret bedeutete dies massive Umstrukturierungen, in deren Folge es zu einer Zusammenlegung und Schließung von zahlreichen Fachgebieten und Instituten kam. Bei der Umstellung auf die neuen BA/MA-Studiengänge wurde die Transformation endgültig sichtbar: Von ehemals ca. 200 Studienfächern stehen nun nur noch 23 zur Verfügung.
Die chronische Unterfinanzierung führt zu zahlreichen Stilblüten universitärer Elendsverwaltung. Um zu verhindern, dass einmal eingesparte Stellen unwiederbringlich verloren gehen, versucht das Dekanat einerseits die Kürzungen durch Einsparungen bei den Sachmitteln zu kompensieren. Die offensichtlichen Folgen dieses Notbehelfs sind für jeden spürbar: schlechte Ausstattung der Institutsbibliotheken, Seminarräume usw.
Andererseits werden frei werdende Stellen in den Lehrstühlen ausgeschrieben, um sie zu erhalten, jedoch nicht besetzt. Stattdessen werden BewerberInnen, die zwar fachlich qualifiziert sind, diese einzunehmen, für deren Beschäftigung als reguläre Mitarbeiter kein Geld vorhanden ist, als zeitlich befristete Lehrbeauftragte angestellt. Diese können nun - im Einklang mit der Gebührensatzung - als Verbesserung der Lehre mit den eingenommenen Studiengebühren bezahlt werden. Schon heute werden so etwa die Hälfte aller Studiengebühren für die so geschaffenen Lehraufträge ausgegeben.
Folgt man den Prognosen der Dekanats der Philosophischen Fakultät, so wird sich in den nächsten vier Jahren die Zahl der Studierenden an der Philosophischen Fakultät halbieren. 2012 müssten dann die gesamten Studiengebuehren Einahmen der Philosophischen Fakultät für deren nackten Erhalt verwendet werden. Somit bestätigen sich die Befürchtungen der GebührengegnerInnen: Studienbeiträge werden letztlich nicht - wie versprochen - zur Verbesserung der Lehre, sondern für den schlichten Erhalt einer bereits vorher prekären Situation eingesetzt.
Dieses Vorgehen ist aus unserer Sicht nicht akzeptabel. Bei der eingangs erwähnten Profilveränderung zur Forschungsuniversität hat die Philosophische Fakultät eine Abwertung erfahren. Es liegt nahe, darin eine vom Rektorat gewollte oder zumindest in Kauf genommene Reduzierung der Geisteswissenschaften auf ein nach außen präsentiertes Kronjuwel, aber intern als finanzielle Belastung zu sehen.
Es ist auch weiterhin das Ziel der LUST, die bereits eingeschränkte Fächervielfalt zu erhalten. Der dramatische Rückgang der Studierendenzahlen muss gestoppt werden. Es muss gewährleistet sein, dass alle InteressentInnen am geisteswissenschaftlichen Studiengängen die Möglichkeit haben, ein selbstbestimmtes Lernen und Forschen zu erreichen. In den BA/MA-Studiengängen muss interdisziplinärer Austausch frei erfolgen können. Es muss zum Beispiel Raum und Möglichkeit für den Besuch von Veranstaltungen anderer Fachrichtungen bleiben.
Auch die Studierenden in den auslaufenden Magister- und Diplomstudiengängen müssen in Ruhe zu Ende studieren können. Dazu gehört, zum Beispiel willkürlich gesetzte Fristen für Zwischenprüfungen abzuwehren. Ebenso müssen ausreichend viele Veranstaltungen für diese StudentInnen zuverlässig bis zur maximalen Studienzeit (Frühjahr 2012) angeboten werden.
Die Philosophische Fakultät darf kein abzuwickelnder Restposten sein!