Ideologiekritik und Praxis

Die LUST setzt sich nach ihrem Selbstverständnis gegen jede Form von Unterdrückung und Ausgrenzung ein, d.h. auch gegen Ideologien, die solche Herrschaftsverhältnisse legitimieren und reproduzieren.
Als undogmatische Gruppe reflektieren wir die Voraussetzungen unserer Praxis und unsere theoretischen Analysen vor dem Hintergrund der herrschenden Verhältnisse. Die Behauptung anderer Hochschulgruppen unideologisch zu sein, ist dagegen schon ideologisch, weil unter dem Deckmantel eines vorgeblichen Pragmatismus die eigenen politischen Vorraussetzungen nicht transparent gemacht, geschweige denn reflektiert werden. Diese Form von Pragmatismus kommt einer Kapitulation vor der Realität gleich. Gesetze und Sachzwänge werden als unveränderbar betrachtet. Politische Gestaltung kommt nur als affirmative Beteiligung am herrschenden Diskurs vor, jenseits aller Möglichkeiten zu radikaler Veränderung. So wird von RCDS und LHG die Tatsache, dass Studiengebühren eingeführt werden, als unumstößlich angesehen, ohne die Möglichkeit in Betracht zu ziehen, dass sie auch wieder abgeschafft werden können. Die ULF interessiert sich nicht für das allgemein politische Mandat, weil es im Hochschulrahmengesetz verboten ist, ohne die Möglichkeit in Betracht zu ziehen, dass dieses Gesetz geändert werden kann.
Solche angeblich unpolitischen Standpunkte sind sich gar nicht bewusst über das eigene Verhältnis zur gesellschaftlichen Hegemonie - und in der Bestätigung des Bestehenden durchaus politisch. Und das ist Ideologie: unreflektiertes Bewusstsein über die gesellschaftlichen Zusammenhänge, in denen sich ein Standpunkt artikuliert. Die LUST bekämpft Ideologie als Form des Bewusstseins, das gesellschaftliche Machtverhältnisse zementiert.
Wir bekommen nur das, wofür wir kämpfen! Kritik an der herrschenden Verhältnissen muss über die Kritik an der herrschenden Ideologie hinausgehen und praktisch werden. Die LUST ist, im Gegensatz zu den meisten bei den SP-Wahlen kandidierenden Gruppen, unabhängig von Mutterparteien oder anderen politischen Organisationen. Statt  auf Verhandlungen mit Rektorat, Land oder Staat zu hoffen, setzen wir auf die selbstbestimmte Aktion der Individuen.
Wir sehen den AStA als Mittel zur Selbstorganisation der Studierenden im Kampf um die gesellschaftliche Hegemonie, z.B. in der Frage von Hochschulzugang und Studiengebühren. In diesem Sinn versteht sich die LUST als pragmatisch, indem wir emanzipatorische Politik unter gegebenen Bedingungen versuchen umzusetzen.