Billige Wohnungen, Kameradschaft, Hilfe bei Studium und Berufseinstieg. Das sind die Versprechungen, mit denen Korporationen auf Mitgliederfang gehen. Der ehemalige Korporierte Stephan Peters zu seinen Erfahrungen: „Korporationen nehmen dir die Möglichkeit zur freien Persönlichkeitsentfaltung, stattdessen wirst du in strengen Hierarchien und eventuell zum - wie der ehemalige Innenminiester Kanther meint - national denkenden Menschen erzogen.“ Und weiter: „Du kannst sicher davon ausgehen, dass das Auswirkungen auf deine Persönlichkeitsentwicklung haben wird. Wenn du Pech hast, wirst du ein militaristischer Macho in einer Führungsposition, der ansonsten auf dem Stand seiner Pubertät zurückgeblieben ist.“
Studentische Verbindungen bauen zu starken Teilen auf einem männerbündischen und sexistischen Mythos auf. Frauen werden auf ihr „dekoratives“ Element reduziert und nicht als vollwertige Mitglieder der Gesellschaft anerkannt. So machte sich die Bonner Burschenschaft Marchia das „dekorative“ Element mehrerer junger Frauen zur Werbung neuer Mitglieder zu nutze. Diese sollten bei den Einschreibungen zum WS 07/08 Erstis für die Burschenschaft keilen, als Mitglieder erwünscht sind sie jedoch nicht.
Zentral ist zudem das Lebensbundprinzip. Die Korporierten sind lebenslang Mitglied ihrer Verbindung. Nach dem Studium bleiben sie der Verbindung als so genannter „Alter Herr“ erhalten. Ein Hauptziel von Korporationen ist es, einen elitären Verbindungsklüngel zu bilden. Frei nach dem Prinzip „Können ist gut, kennen ist besser“, wird die Karriere der Verbindungsbrüder vorangebracht.
Studentenverbindungen haben ein rückwärtsgewandtes Geschichtsbild. Der rudimentär vorhandene Urburschenschaftsmythos (z.B. antiaristokratische Tendenzen) verblasst gegenüber dem Faktum, dass Burschenschaften seit mehr als 100 Jahren auf der Seite der Reaktion stehen. So waren sich Korporierte mit den Nazis im Kampf gegen die Weimarer Republik einig, sie beteiligten sich am Kapp-Putsch und den Freikorps. Nazis waren vielen Verbindungen lediglich aufgrund ihrer unakademischen Art suspekt. Inhaltliche Distanz war kaum zu erkennen.
Auch heute stehen Deutschtümelei und Nationalismus hoch im Kurs von Studentenverbindungen. So bekennt sich der Dachverband Deutsche Burschenschaft (DB) zu einem Deutschland in den Grenzen von 1937. Auch offener Rassimus ist nach wie vor bei vielen Burschen salonfähig. So veranstaltete die „Alte Breslauer Burschenschaft der Raczeks zu Bonn“ im Jahr 2006 eine Veranstaltung zum Thema: „Überfremdung – Deutschland im Abwehrkampf“.
Nicht alle Verbindungen sind als rechtsextrem zu bezeichnen. Sie eint jedoch ein rückwärtsgewandtes und antiemanzipatorisches Weltbild. Damit werden sie zu Adressaten der Neuen Rechten, die mit ihrer Strategie, an Einfluss in konservativen Zusammenhänge zu gewinnen, an sie heran tritt. Daraus folgt für Stephan Peters: „Wenn eine Verbindung harmlos sein will, dann soll sie sich auflösen.“
Lass Dich nicht keilen!